Die „German Professional School“ (GPS) wird inhaltlich und strukturell neu ausgerichtet. So sollen nach der Aufbauphase die Verwaltung und Kosten reduziert und die Orientierung am tatsächlichen Fachkräftebedarf der Thüringer Wirtschaft verstärkt werden. Zugleich werden regionale Partner und vorhandene Strukturen der Fachkräftegewinnung im Land stärker eingebunden. Mit der Neuausrichtung ist auch eine Namensänderung verbunden: Künftig firmiert die GPS unter der Bezeichnung „ThALENT – Thüringer Allianz für Lernen, Erwerbstätigkeit und neue Talente“. Mit der Weiterentwicklung setzt das Wirtschaftsministerium einen Auftrag aus dem Thüringer Regierungsvertrag 2024-2029 um. Zuvor war die Einrichtung, die sich um die Gewinnung und Vorbereitung internationaler Auszubildender für den Thüringer Arbeitsmarkt kümmert, evaluiert worden. Die neue Organisationsstruktur und die weiterentwickelten Programmlinien sollen ab dem Jahr 2027 greifen.
Mit ThALENT adressiert das Wirtschaftsministerium eine große Herausforderung für die Wirtschaft im Land: die demografische Entwicklung und den daraus resultierenden Fachkräftemangel. „Die Gewinnung von Fach- und Arbeitskräften ist eine der zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderungen für Thüringen in den kommenden Jahren“, sagte Wirtschaftsministerin Colette Boos-John, die in dieser Woche das Thüringer Landeskabinett über die Neuausrichtung informiert hatte. „Mit ThALENT wollen wir dazu einen spürbaren Lösungsbeitrag leisten. Wir führen den im Kern erfolgreichen Ansatz der GPS fort, stellen das Programm aber schlagkräftiger und kosteneffizienter auf.“
Dass weiterhin Bedarf an einer entsprechenden Einrichtung bestehe, zeige allein der Blick auf die demografische Entwicklung, so die Ministerin: Bis zum Jahr 2042 wird die Zahl der Einwohner Thüringens auf unter zwei Millionen sinken – bis dahin wird der Freistaat zwischen 8.500 und 11.300 Personen pro Jahr verlieren. Vor diesem Hintergrund verringert sich auch die Zahl der Erwerbspersonen – bis 2035 um rund 120.000. Allein im Jahr 2025 konnten in Thüringen rund 1.120 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden.
„Thüringen wird seinen Fachkräftebedarf künftig nicht allein aus dem heimischen Arbeitskräftepotenzial decken können. Deshalb müssen wir jungen Menschen aus dem Ausland gezielt den Weg in eine Ausbildung und Beschäftigung bei uns öffnen“, so Boos-John. „Unser Anspruch endet dabei nicht mit der Anwerbung. Entscheidend ist, dass aus motivierten jungen Menschen erfolgreiche Auszubildende werden, die möglichst dauerhaft in Thüringen bleiben. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigen die Ergebnisse der GPS-Pilotphase: Gerade die im Ausland gezielt angeworbenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten zu 98 Prozent vermittelt werden, 92 Prozent von ihnen sind in Thüringen geblieben.“
ThALENT setzt deshalb auch künftig an zwei Stellen an: Bereits in Thüringen lebende Zugewanderte sollen besser für eine Ausbildung und Beschäftigung im Land aktiviert werden (neue Programmlinie „Local“). So waren im Jahr 2025 rund 2.250 junge Menschen mit Migrationsgeschichte unter 23 Jahren arbeitslos gemeldet. „Dieses Potential sollten wir besser als bisher erschließen“, so die Ministerin. Zugleich sollen weiterhin gezielt auch junge Menschen aus Drittstaaten für eine Ausbildung in Thüringen gewonnen werden (Programmlinie „Global“).
Ein wesentliches Element der bisherigen GPS wird dabei in beiden Fällen fortgeführt: Die Teilnehmer werden frühzeitig auf eine Ausbildung und das Leben in Thüringen vorbereitet, bevor sie sich für einen Ausbildungsbetrieb entscheiden. Dazu gehören Sprachförderung, berufliche Orientierung sowie die Vermittlung gesellschaftlicher und kultureller Grundlagen. Über Praktika, Betriebsbesichtigungen und das persönliche Kennenlernen von Unternehmen und Berufsbildern sollen Betriebe und künftige Auszubildende frühzeitig in Kontakt zueinander treten. Ziel ist eine möglichst passgenaue und nachhaltige Vermittlung. Im Bereich „Global“ beginnt die Vorbereitung bereits im Herkunftsland und wird anschließend in Thüringen fortgesetzt.
Die Evaluation der Pilotphase habe grundsätzlich die arbeitsmarktpolitische Wirksamkeit des Programms bestätigt, betonte die Ministerin. Neben den hohen Vermittlungs- und Verbleibquoten im internationalen Bereich wurden auch bei den bereits in Deutschland lebenden Teilnehmern gute Ergebnisse erzielt – die Vermittlungsquote in eine Ausbildung oder Beschäftigung lag hier bei 58 Prozent. Besonders bewährt haben sich die strukturierte Sprachförderung, die Integrationsbegleitung und die arbeitsmarktbezogene Vorbereitung auf Grundlage eines einheitlichen Curriculums, die an den einzelnen Standorten durch die jeweiligen Träger umgesetzt wurde. Zugleich zeigte die Untersuchung Verbesserungsbedarf insbesondere bei Wirtschaftlichkeit, Bedarfsorientierung, Rollenverteilung und Programmsteuerung sowie bei der regionalen Einbindung.
Diesen Verbesserungsbedarf sei man mit der Neuausrichtung nachgekommen, so die Ministerin. „Die bisherige ‚German Professional School‘ war ein Pilotprojekt in der Aufbauphase – und genau dafür sind Pilotprojekte auch da: herauszufinden, was funktioniert und was besser werden muss. Die Evaluation zeigt gute Vermittlungsergebnisse, aber auch klaren Verbesserungsbedarf. Deshalb haben wir das Programm jetzt mit ThALENT neu aufgestellt:“
So werden bisherige starre Teilnehmerzahlen durch bedarfsgerechte Kontingente, die von den Trägern vor Ort nachgefragt werden sollen, ersetzt. Für 2027 wird eine Kapazität von bis zu 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über beide Programmlinien „Local“ und „Global“ angepeilt. Auswahl- und Vermittlungsprozesse werden stärker standardisiert und zugleich flexiblere Programmformate eingeführt. Zudem sollen bestehende Strukturen – etwa von Kammern, Kommunen und anderen regionalen und internationalen Akteuren – stärker genutzt und andere erfolgreiche Angebote zur Fachkräftegwinnung besser mit ThALENT verzahnt werden.
Zugleich wird die gesamte Programmorganisation gestrafft. Der Personalaufwand für die Steuerung bei der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) soll von bisher sieben auf 3,5 Stellen reduziert werden. Alle Unterstützungsangebote des Wirtschaftsministeriums zur internationalen Fachkräfte- und Ausbildungsgewinnung werden stärker unter dem Dach der dort angesiedelten Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (ThAFF) inhaltlich gebündelt. Unternehmen werden stärker in die Umsetzung eingebunden und sollen sich – wie in anderen Gewinnungsprojekten – künftig an der Finanzierung beteiligen.
Mit der Neuausrichtung habe das Wirtschaftsministerium die Grundlagen dafür gelegt, damit aus ThALENT eine „echte Erfolgsgeschichte“ werden könne, so die Ministerin. „Natürlich kostet ein solches Programm Geld. Aber diese Ausgaben sind eine Investition in Menschen, die hier eine Ausbildung machen, arbeiten, Steuern und Sozialbeiträge zahlen und zur Wertschöpfung beitragen“, sagte Boos-John. „Die Alternative wäre nicht Kostenfreiheit, denn dauerhaft unbesetzte Ausbildungsplätze und fehlende Fachkräfte kommen Thüringen auf lange Sicht wirtschaftlich teurer.“
Stephan Krauß
Pressesprecher