Die Exportwirtschaft ist damit eine tragende Säule von Wachstum und Beschäftigung im Freistaat. Vor dem Hintergrund sich wandelnder globaler Rahmenbedingungen setzt Thüringen auf eine aktive und strategisch weiterentwickelte Außenwirtschaftspolitik. Das sagte Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John heute beim Thüringer Außenwirtschaftstag (AWT) in Jena. Der AWT ist die Jahresleitveranstaltung für die Thüringer Außenwirtschaft und bietet Firmen und Forschungseinrichtungen Information und Austausch für eine erfolgreiche Internationalisierungsstrategie.
Die Thüringer Industrieunternehmen verzeichneten nach Angaben des Landesamts für Statistik im vergangenen Jahr einen Exportzuwachs um 2,3 Prozent auf rund 14 Milliarden Euro. Die gesamte Thüringer Wirtschaft (einschließlich Land- und Ernährungswirtschaft, Dienstleistungen etc.) exportierte im Jahr 2025 Waren im Wert von 18,2 Milliarden Euro – ein leichter Rückgang um 1,1 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Importe um 2,0 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro.
„Die aktuelle Situation im Außenhandel bleibt von Unsicherheit und Restriktionen geprägt. Unsere Unternehmen sind international gut aufgestellt – aber die Rahmenbedingungen und Spielregeln im Welthandel verändern sich rasant. Deshalb müssen wir in der Außenwirtschaft ständig am Ball bleiben und unsere Exportstrategie kontinuierlich weiterentwickeln“, sagte die Wirtschaftsministerin. „Es geht darum, Chancen konsequent zu nutzen und unsere Unternehmen noch besser im internationalen Wettbewerb zu positionieren.“
„Die LEG bietet mit ihrem Team ‚Thüringen International‘ vor diesem Hintergrund vielfältige Unterstützung an“, ergänzt LEG-Geschäftsführer Andreas Krey. „Die Palette reicht dabei von Informations- und Networking-Veranstaltungen wie dem AWT über die vielfältige Beratung der Firmen – nicht zuletzt durch unsere Auslandsbeauftragten in mittlerweile acht Ländern – bis hin zur Organisation von Delegations- und Unternehmensreisen, die auf attraktive Auslandsmärkte führen.“
Mit Blick auf zentrale Absatzmärkte wird deutlich, wie wichtig eine breitere Aufstellung ist: Die Exporte in die USA gingen zuletzt um 6,1 Prozent zurück. Gleichzeitig verändern sich internationale Lieferketten – mit rückläufigen Importen aus China (-3,2 Prozent) und wachsender Bedeutung anderer Partnerländer (z.B. Großbritannien, Vietnam).
Die wirtschaftspolitische Antwort Thüringens auf diese Herausforderung setzt deshalb an mehreren Punkten an:
- Exportmärkte diversifizieren: Thüringer Unternehmen sollen stärker beim Eintritt in neue Wachstumsregionen unterstützt werden. Den Weg dorthin weisen neue Freihandelsabkommen wie die mit den Mercosur-Staaten Südamerikas, Indien oder ganz aktuell Australien. Thüringen bietet deshalb noch in diesem Jahr politisch geführte Delegationsreisen in die ersten beiden Regionen an.
- Lieferketten weiterentwickeln und ergänzen: Globale Verflechtung bleibt zentral – gleichzeitig bietet eine stärkere europäische und regionale Vernetzung zusätzliche Stabilität. Regionalität müsse beim Knüpfen von Export- und Lieferbeziehungen künftig einen höheren Stellenwert bekommen, so die Ministerin.
- Mittelstand gezielt unterstützen: Die vorhandenen guten Rahmenbedingungen für Internationalisierung und Exportfinanzierung – etwa durch die Messe- und Kontaktanbahnungsförderung des Landes – sollen verstetigt und bei Bedarf verstärkt werden.
- Erfolgsbranchen gezielt ausbauen: Positive Entwicklungen etwa in der Pharmaindustrie (Export: +28,0 Prozent) oder der Medizintechnik (Export: +9,0 Prozent) zeigen, wo Thüringen international wachsen kann. Solche dynamischen Wachstumsfelder sollen künftig noch besser international positioniert werden.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Weiterentwicklung bestehender Netzwerke und Cluster zu international schlagkräftigen Exportökosystemen. „Thüringen verfügt über starke Clusterstrukturen – etwa in der Optik, der Medizintechnik oder der Ernährungswirtschaft. Darauf können wir aufbauen“, so die Ministerin. „Ziel sollte es sein, diese Netzwerke noch stärker international auszurichten und als gemeinsame Plattformen für den Markteintritt im Ausland zu nutzen.“
Der Ansatz: Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Außenwirtschaftsförderung könnten künftig noch enger zusammenarbeiten und gemeinsam auf internationalen Märkten auftreten – etwa durch gebündelte Messeauftritte, gemeinsame Vertriebsansätze oder strategische Partnerschaften in Zielregionen. „Export wird zunehmend zu einem Teamspiel. Thüringen muss hier stärker als vernetzter Innovations- und Industriestandort auftreten und damit seine Sichtbarkeit deutlich erhöhen“, betont Boos-John.
Zugleich unterstreicht sie aber die Bedeutung einer flankierenden Standortpolitik auch im Inland: „Internationale Wettbewerbsfähigkeit beginnt im eigenen Land. Schnelle Genehmigungen, wettbewerbsfähige Energiepreise, moderne Infrastruktur und ausreichend Fachkräfte sind entscheidend für den Exporterfolg unserer Unternehmen.“
Der diesjährige 18. Außenwirtschaftstag im Jenaer Volkshaus widmete sich dem Thema „Smartes Marketing weltweit – Aktuelle Strategien für KMU“. Dabei ging die Veranstaltung insbesondere der Frage nach, wie Thüringer Unternehmen mit geschicktem Marketing und Vertrieb ihr internationales Geschäft optimieren können. Mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Thüringer Unternehmen, Verbänden, und Institutionen erlebten fundierte Wortbeiträge, instruktive Dialogformate, eine Firmenbegleitausstellung und nutzten die Chance zum Austausch mit Auslandsbeauftragten und Partnern aus vier Kontinenten. Organisiert wird der AWT vom Wirtschaftsministerium, der LEG Thüringen und der Thüringer Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern.
Stephan Krauß
Pressesprecher