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„Mittelstandsbericht Thüringen 2025“: Thüringen setzt auf Wachstum, Innovation und industrielle Stärke


Wirtschaftsministerin Boos-John stellt gemeinsam mit Prof. Ragnitz (ifo-Institut) zentrale Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vor

Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John hat heute gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Niederlassung Dresden des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, den „Mittelstandsbericht Thüringen 2025“ vorgestellt. Der Bericht analysiert die wirtschaftliche Lage des Freistaats im Zeitraum 2020 bis 2025 und formuliert erste Handlungsempfehlungen für die künftige Wirtschafts- und Mittelstandspolitik.

„Der Mittelstandsbericht ist ein ehrlicher und zugleich ermutigender Befund zur wirtschaftlichen Lage Thüringens. Er zeigt klar: Thüringen verfügt über starke industrielle Kerne, einen leistungsfähigen Mittelstand und großes Innovationspotenzial. Gleichzeitig benennt er offen die strukturellen Herausforderungen, vor denen wir stehen – insbesondere bei den Themen Produktivität, Investitionen und Fachkräftesicherung“, sagte Wirtschafts­ministerin Boos-John.

Der Bericht wurde im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer-ISI, Karlsruhe/Leipzig) gemeinsam mit dem ifo-Institut Dresden erarbeitet. Er dient zugleich als gesetzlich vorgesehene Berichterstattung zur Lage der mittelständischen Wirtschaft sowie als strategische Grundlage für die weitere Wirtschaftspolitik des Landes.

Thüringen bleibt Industrieland mit starkem Mittelstand

Der Bericht bestätigt die zentrale Rolle des Mittelstands für die Thüringer Wirtschaft. Rund 99 Prozent aller Betriebe im Freistaat zählen zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), etwa 75 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in mittelständischen Betrieben. Thüringen ist weiterhin stark industriell geprägt: Das Verarbeitende Gewerbe erwirtschaftet rund 21 Prozent der Bruttowertschöpfung und beschäftigt etwa jeden fünften Erwerbstätigen.

Zu den industriellen Kernbranchen zählen insbesondere die Metallverarbeitung, der Maschinenbau, die Optik- und Photonikindustrie, die Mikroelektronik sowie die Ernährungswirtschaft. Auch die Thüringer Automobilzulieferindustrie bleibt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Der Bericht hebt zudem die Innovationskraft des Landes hervor. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben liegen bei 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Besonders technologieorientierte KMU seien eng mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen vernetzt und in vielen Hightech-Bereichen international wettbewerbsfähig.

„Thüringen verfügt über beachtliche industrielle und technologische Stärken. Gerade die enge Zusammenarbeit von mittelständischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen bildet eine wichtige Grundlage für künftiges Wachstum“, erklärte Prof. Dr. Joachim Ragnitz. „Entscheidend wird sein, diese Potenziale künftig noch stärker in Produktivitätswachstum, Investitionen und Innovationen umzusetzen.“

Demographie und Investitionsschwäche bleiben zentrale Herausforderungen

Neben den Stärken benennt der Bericht auch strukturelle Herausforderungen. Besonders der demographische Wandel wird die wirtschaftliche Entwicklung Thüringens in den kommenden Jahren stark beeinflussen. Seit 2019 ist die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bereits deutlich zurückgegangen; zugleich steigt der Fachkräftebedarf in vielen Branchen weiter an.

Auch die Investitionstätigkeit bleibt hinter dem westdeutschen Niveau zurück. Die Gutachter warnen vor einem alternden Kapitalstock und einer daraus resultierenden Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit. Trotz einer zuletzt wieder positiven Wachstumsentwicklung liegt die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigenstunde – und damit die Produktivität der Thüringer Wirtschaft – weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass sich die Produktivität in Thüringen zuletzt dynamischer entwickelt hat als im Bund. Die Gutachter sehen darin ein wichtiges Signal, dass der Aufholprozess begonnen hat, aber konsequent fortgesetzt werden muss.

„Die Analyse zeigt deutlich: Wir müssen jetzt die Voraussetzungen für mehr Wachstum schaffen“, sagte die Wirtschaftsministerin. „Dazu gehören eine effektive Förderung von Investitionen, schnellere Verfahren, bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen und eine gezielte Unterstützung von Innovationen und Fachkräften.“

Sechs strategische Handlungsfelder für Thüringen

Die Gutachter empfehlen insbesondere Maßnahmen in sechs zentralen Bereichen:

  • Sicherung der Fachkräftebasis,
  • Stärkung von Investitionen,
  • Förderung von Innovation und Technologietransfer,
  • Verbesserung wirtschaftsrelevanter Standortbedingungen,
  • Unterstützung der Transformation von Industrie und Mittelstand
  • sowie eine gezielte Stärkung regionaler Wachstumspole.

Die Landesregierung wird die Empfehlungen nun ressortübergreifend in laufende Strategieprozesse einarbeiten. Ein zentrales Folgeprojekt wird dabei der geplante „Zukunftskompass Wirtschaft Thüringen“ sein – ein datenbasierter Innovations- und Potenzialatlas für Zukunftsbranchen, regionale Stärken und Investitionsschwerpunkte. Erste Ergebnisse sollen bis Ende 2026 vorliegen.

„Der Mittelstandsbericht liefert uns nicht nur eine Analyse, sondern konkrete Ansätze für einen wirtschaftspolitischen Kompass für die kommenden Jahre“, so die Ministerin. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen Thüringens industrielle Stärke sichern, die Innovationskraft des Mittelstands ausbauen und neue Wachstumsimpulse für das ganze Land schaffen.“

Der vollständige „Mittelstandsbericht Thüringen 2025“ wird dem Thüringer Landtag zugeleitet und steht ab sofort im Internet unter https://wirtschaft.thueringen.de/fileadmin/wirtschaft/Endbericht_MiBe_Thueringen_2025_final.pdf zum Download bereit.

 

Stephan Krauß
Pressesprecher

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