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Studie: Thüringer Bio-Markt wächst dynamisch


Bericht zeigt großes Potenzial für regionale Wertschöpfung und Außer-Haus-Verpflegung

Der Bio-Markt in Thüringen ist in den letzten Jahren überdurchschnittlich gewachsen. Das zeigt der aktuelle „Bio-Marktbericht Thüringen 2024/25“, der im Auftrag des Thüringer Landwirtschaftsministeriums erstellt worden ist. Während die ökologisch bewirtschafteten Flächen im Freistaat kontinuierlich zunehmen, wächst gleichzeitig auch die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt. „Thüringen ist ein Bio-Wachstumsland – auf der Nachfrage- wie auf der Angebotsseite“, sagte Thüringens Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John. „Jetzt kommt es darauf an, die regionale Wertschöpfung gezielt zu stärken und vorhandene Potenziale auch im Land zu halten. Die Studie zeigt: Nicht mangelnde Nachfrage ist das Problem, sondern fehlende Strukturen zwischen Erzeugung, Verarbeitung und Markt.“

Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Thüringen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf rund 64.400 Hektar im Jahr 2024 verdoppelt (2015: 32.600 Hektar). Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die ökologische Anbaufläche 2024 im Freistaat um 3,4 Prozent und damit stärker als im bundesweiten Schnitt. „Damit hat sich der Ökolandbau als Bewirtschaftsform strukturell etabliert und ist kein Nischenphänomen mehr“, sagte Boos-John. Angesichts der aktuellen Wachstumsdynamik sei sie zuversichtlich, dass Thüringen beim erreichten Bio-Anteil an der Landwirtschaftsfläche weiter zulegen und künftig auch zum Bundesdurchschnitt aufschließen könne. Aktuell liegt Thüringen mit einem Anteil von 8,3 Prozent Bioflächen noch gut drei Prozentpunkte unter dem bundesdeutschen Wert von 11,5 Prozent.

Besonders dynamisch entwickelt sich auch die Nachfrage nach Bio-Erzeugnissen: 2024 stiegen die Verbraucherausgaben für Bio-Lebensmittel in Thüringen im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent auf 188 Millionen Euro, während bundesweit lediglich ein Plus von 4,5 Prozent zu verzeichnen war. Insgesamt wurden 2024 in Deutschland mehr als 11,6 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel ausgegeben. Bei frischen Bio-Lebensmitteln nahm Thüringen mit einem Zuwachs von 23,1 Prozent sogar eine Spitzenposition unter allen Bundesländern ein. Allerdings sei das erreichte Niveau von 5,2 Prozent Bio-Anteil bei frischen Lebensmitteln (gegenüber 8,4 Prozent im Bundesdurchschnitt) noch ausbaufähig, so die Landwirtschaftsministerin.

Als zentrale strukturelle Herausforderung für die Erzeugung von Bio-Lebensmitteln identifiziert der Bericht die sogenannte „Mittelstandslücke“: Es fehlen leistungsfähige, mittelständische Betriebe zwischen Urproduktion und Verkauf – also in den Bereichen Verarbeitung, Lagerung und Vermarktung. Deshalb verlassen große Teile der Bio-Rohstoffe Thüringen zur Weiterverarbeitung, während veredelte Produkte importiert werden müssen. Daneben machen den Produzenten aber auch steigende Kosten und unsichere Absatzperspektiven zu schaffen.

Ein besonderer Fokus der Studie liegt deshalb nicht zu letzt auf der Außer-Haus-Verpflegung (AHV), etwa in Kitas, Schulen, Kantinen oder Pflegeeinrichtungen, über die zusätzliche Nachfrage nach ökologischen und regionalen Erzeugnissen generiert werden kann. Die Analyse belegt, dass ein Bio-Anteil von rund 20 Prozent des Speiseplans grundsätzlich auch ohne nennenswerte Mehrkosten (<1 Prozent Mehrkosten gegenüber konventionellen Lebensmitteln) realisierbar ist. Mehr Bio muss nicht mehr kosten. Die Außer-Haus-Verpflegung ist ein zentraler Hebel, um Bio-Nachfrage planbar zu erhöhen und gleichzeitig regionale Wertschöpfung zu sichern, so Ministerin Boos-John. Voraussetzung dafür seien konsequente Anpassungen bei Speiseplanung, Beschaffung und Küchenorganisation.

Der Bio-Marktbericht liefere eine realistische Analyse der Situation des ökologischen Landbaus und Absatzes im Freistaat, sagte die Ministerin. „Es gibt Licht und Schatten – aber klar wird auch: Der Bio-Sektor bietet erhebliche wirtschaftlicher Potentiale, die durch eine gezielte Stärkung der Wertschöpfungsketten erschlossen werden können.“ Deshalb bleibt der Bericht auch nicht bei der Analyse stehen. Auf Grundlage der Ergebnisse werden jetzt konkrete Handlungsoptionen entwickelt und gemeinsam mit Akteuren aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Außer-Haus-Verpflegung diskutiert.

Weitere Fakten zum Bio-Landbau in Thüringen:

  • Laut Auswertung der Agrarförderung für das Jahr 2024 wirtschaften 461 Betriebe mit einer durchschnittlichen Fläche von 135 Hektar ökologisch.
  • Die meisten Öko-Betriebe gibt es im Wartburgkreis (61), Saale-Orla-Kreis (46) und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (39).
  • Die größten Bioflächen finden sich in den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen (8.835 Hektar), Gotha (7.563 Hektar) und Saalfeld-Rudolstadt (7.024 Hektar).
  • Weizen ist das wichtigste Bio-Getreide im Freistaat. 112 Betriebe bauen Bio-Weizen an, das entspricht 2,1 Prozent der Weizenfläche in Thüringen.

Hier geht es zum „Bio-Marktbericht Thüringen. Bio-Marktanalyse für Thüringen unter besonderer Berücksichtigung des Absatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung“.

Terminhinweis: Vom 10. bis zum 13. Februar ist der Freistaat auf der BIOFACH Nürnberg, der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, mit einem Gemeinschaftsstand in Halle 9 vertreten. Agrarstaatssekretär Marcus Malsch nimmt am 10. Februar an der Eröffnung der Messe teil und wird anschließend bei einem Rundgang Thüringer und andere Aussteller besuchen.

Stephan Krauß
Pressesprecher

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