60 junge Menschen aus zehn lateinamerikanischen Ländern sind heute in Erfurt offiziell in das Programm der „German Professional School“ (GPS) gestartet. In den kommenden vier Monaten werden sie intensiv auf eine Ausbildung in Thüringen vorbereitet. In dieser Zeit vertiefen sie insbesondere ihre Deutschkenntnisse und erwerben grundlegendes Wissen über Thüringen, das gesellschaftliche System und zentrale politische und kulturelle Werte in Deutschland. Im Rahmen der Berufsorientierung werden zudem individuelle Potentiale und Bildungsstände erhoben. Dazu absolvieren die 24 Teilnehmerinnen und 36 Teilnehmer verschiedene Kurse, Betriebspraktika und Betriebsbesichtigungen. Mit dem erfolgreich abgeschlossenen GPS-Curriculum stehen sie dann ab August für die Vermittlung in den Thüringer Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zur Verfügung.
„Viele Betriebe in Thüringen suchen weiterhin dringend Auszubildende und Fachkräfte“, sagte Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John. Im Jahr 2035 werden im Freistaat rund 140.000 Erwerbstätige weniger zur Verfügung stehen als derzeit. Mit der Anfang April im „Pakt für Wachstum und Arbeitskräfte“ beschlossenen „Thüringer Fachkräftestrategie 2026-2035“ will die Landesregierung deshalb auch die Gewinnung und Integration ausländischer Fachkräfte forcieren. „Im Hinblick darauf kann die GPS einen Beitrag dazu leisten, junge motivierte Menschen ins Land zu holen und auf eine Ausbildung und Beschäftigung in der Thüringer Wirtschaft vorzubereiten“, sagte die Ministerin. Deshalb freue sie sich, dass nun 60 junge Leute aus Lateinamerika das Angebot der GPS angenommen und den Schritt nach Deutschland gewagt hätten. Die GPS könne und werde sie dabei unterstützen, sich in Thüringen eine berufliche und damit auch eine Lebensperspektive aufzubauen.
Die GPS bereitet junge Menschen aus Drittstaaten sowie Migranten gezielt auf eine Berufsausbildung in Thüringen vor und vermittelt diese im Anschluss an Unternehmen im Freistaat. Das Programm befinde sich bis 2027 in einer Pilotphase, die Evaluierung und Weiterentwicklung des Programms laufe bereits, sagte die Wirtschaftsministerin. „Wir halten die GPS grundsätzlich für einen guten Ansatz zur Fachkräftegewinnung, werden aber die Ausrichtung auf die Wirtschaft noch weiter verstärken und die Abstimmung mit den bestehenden Gewinnungs- und Unterstützungsprojekten in diesem Bereich verbessern.“
Das GPS-Programm umfasst derzeit zwei Säulen – in Säule I soll das Beschäftigungspotential von Migranten besser erschlossen werden, in Säule II werden aktiv junge Menschen in Drittstaaten für eine Ausbildung in Thüringen angeworben. Bei den heute startenden GPS-Teilnehmern handelt es sich um den zweiten Durchgang der Säule II. Sie stammen aus Ecuador (16), Bolivien (10), Mexiko (8), Kolumbien (8), Peru (6), Argentinien (4), El Salvador (3), Nicaragua (2), Costa Rica (2) und Guatemala (1). Die jungen Leute haben in ihren Heimatländern seit November 2025 mindestens einen B1-Sprachkurs absolviert und werden jetzt auf die B2-Sprachprüfung vorbereitet. Im ersten Durchgang hatten im vergangenen Jahr bereits 40 junge Südamerikanerinnen und Südamerikaner das GPS-Ausbildungsprogramm absolviert und konnten im Anschluss erfolgreich an Unternehmen im Freistaat vermittelt werden.
In Säule I (Erschließung des Beschäftigungspotentials von Migranten) haben seit Start der GPS im Jahr 2024 bereits 298 junge Menschen erfolgreich das Ausbildungscurriculum absolviert und konnten danach zu einem großen Teil in eine Ausbildungstelle oder auf einen Arbeitsplatz vermittelt werden. Derzeit läuft in Säule I der dritte Durchgang mit 543 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die ebenfalls ab September für die Vermittlung in eine Ausbildung oder Beschäftigung zur Verfügung stehen werden.
Stephan Krauß
Pressesprecher