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„Thüringen hebt ab“: Boos-John sieht neue Chancen in Luft- und Raumfahrt


1. Thüringer Luft- und Raumfahrttag bringt Unternehmen, Forschung und Politik in Jena zusammen

Thüringen will seine Kompetenzen in der Luft- und Raumfahrt stärker bündeln und für neue wirtschaftliche Chancen nutzen. Unter dem Motto „Thüringen hebt ab“ fand dazu heute in Jena der 1. Thüringer Luft- und Raumfahrttag statt. An der Veranstaltung nahmen rund 300 Vertreter von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Politik teil.

„Thüringen ist nicht der klassische Luft- und Raumfahrtstandort. Aber wir verfügen über zahlreiche Technologien und Kompetenzen, ohne die die moderne Luft- und Raumfahrt heute nicht denkbar wäre“, sagte Wirtschaftsministerin Colette Boos-John zur Eröffnung der Veranstaltung. „Optik und Photonik, Sensorik und Mikroelektronik, Präzisions- und Messtechnik, Materialbearbeitung, Maschinenbau oder Digitalisierung gehören zu den traditionellen Stärken unseres Wirtschafts- und Forschungsstandorts. Diese Kompetenzen wollen wir noch stärker für die Luft- und Raumfahrt nutzbar machen.“

Mehr als 100 Unternehmen und Institutionen in Thüringen entwickeln oder produzieren bereits heute Produkte mit Bezug zur Luft- und Raumfahrt. Rund 11.000 Arbeitsplätze sind unmittelbar oder teilweise mit diesem Technologiefeld verbunden. Auch die Thüringer Forschungslandschaft mit mehreren Hochschulen sowie mit Einrichtungen von Fraunhofer, Leibniz und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verfügt über zahlreiche Anknüpfungspunkte.

„Die Veranstaltung dient der Luft- und Raumfahrtindustrie in Thüringen dazu, die spezifischen Fähigkeiten der ortsansässigen Unternehmen einem größeren Publikum sichtbar zu machen. Die Konferenz hat als weiteres Ziel, die Vernetzung der Unternehmen weiter zu stärken“, sagte David Riedrich, Geschäftsführer und Vorstand des LRT Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen Thüringen e.V. Zur Zeit befinde sich die Raumfahrtindustrie in einem Wettbewerb der Regionen um die Vergabe von Forschungs- und Produktionsaufträgen.

  • Thüringer Technologien kommen schon heute regelmäßig bei internationalen Luft- und Raumfahrtprojekten zum Einsatz. So liefert Jena-Optronik Sternsensoren, die Satelliten und Raumfahrzeugen die Orientierung und Lagebestimmung im Weltraum ermöglichen. Auch beim Artemis-Mondprogramm der NASA ist Technik aus Jena an Bord. Jenoptik lieferte 2020 optische Technologien für eine Marsmission der NASA. Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) entwickelt unter anderem hochpräzise Optiken und Systeme für Satelliten, Erdbeobachtung und Quantenkommunikation. Das Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) war mit Sensorik an Mond- und Marsmissionen beteiligt.
  • Auch in der Luftfahrt verfügt Thüringen über etablierte Unternehmen. N3 Engine Overhaul Services in Arnstadt ist ein europäisches Kompetenzzentrum für die Wartung und Reparatur großer Rolls-Royce-Triebwerke. Die SOMAG AG in Jena entwickelt hochpräzise Stabilisierungssysteme für Kameras und Sensoren, die unter anderem in Flugzeugen, Hubschraubern und Drohnen eingesetzt werden.

„Erfolg beginnt oben – das gilt für Thüringen bei der Luft- und Raumfahrt auch ganz wörtlich“, sagte Boos-John. Dabei müsse Thüringen nicht das komplette Flugzeug oder den kompletten Satelliten bauen, um an der Entwicklung dieser Branche teilzuhaben. „Unsere Stärke liegt in der Spezialisierung: bei hochpräzisen Optiken, Sensoren, Elektronik und anderen Schlüsselkomponenten.“ 

Die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche sind derzeit vergleichsweise positiv. Nach dem aktuellen „Employment Barometer 2026“ von EY-Parthenon verzeichneten die Luft- und Raumfahrt- sowie die Verteidigungsindustrie unter 19 untersuchten Branchen mit 4,3 Prozent den stärksten Beschäftigungszuwachs. Insgesamt wurden für die Untersuchung 155 große börsennotierte Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien betrachtet.

„Gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Phase müssen wir genau hinschauen, wo neue Märkte und zusätzliche Wertschöpfung entstehen“, so Boos-John. „Die Luft- und Raumfahrt ist ein solches Feld. Thüringen bringt dafür viel Know-how mit. Jetzt geht es darum, diese Kompetenzen sichtbarer zu machen, Unternehmen miteinander zu vernetzen und den Zugang zu nationalen, europäischen und internationalen Projekten zu verbessern.“

Der 1. Thüringer Luft- und Raumfahrttag geht auf eine Initiative aus der Wirtschaft zurück. Die Veranstaltung wird vom Thüringer Wirtschaftsministerium, der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) und dem LRT Kompetenzzentrum Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen/Thüringen gemeinsam veranstaltet. Kooperationspartner sind JenaWirtschaft, N3 Engine Overhaul Services und Jena-Optronik.

„Wir freuen uns, dass der erstmalig ausgetragene Luft- und Raumfahrttag eine so große Resonanz gefunden hat“, sagt LEG-Geschäftsführer Andreas Krey. „Die Teilnehmerzahl in Höhe von rund 300 sowie die insgesamt 39 Aussteller zeigen zum einen, dass Thüringen auch in diesem Bereich ein leistungsfähiger Hochtechnologiestandort mit international sichtbaren Kompetenzen ist; zum anderen wird deutlich, dass unsere Unternehmen und Branchenakteure die großen Chancen in diesem Feld wahrnehmen.“

Bereits am Vormittag des Veranstaltungstags wurden Unternehmensbesuche bei Jena-Optronik, INNOVENT, SOMAG, Fraunhofer-IOF und dem DLR-Institut für Datenwissenschaften angeboten. Am Nachmittag standen in der Ad-hoc-Arena im Ernst-Abbe-Sportfeld Fachvorträge und Podiumsdiskussionen auf dem Programm. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten aktuelle Entwicklungen im Luft- und Raumfahrtsektor sowie IT-Lösungen für die Branche. Eine Begleitausstellung mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen präsentierte zudem Technologien und Kompetenzen aus Thüringen. Das Programm bot darüber hinaus umfangreiche Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung.


Stephan Krauß
Pressesprecher
 

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